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1 Jahr Wohngemeinschaft NILAS

Dienstag, 29. November 2016 - 17:29

Vor einem Jahr sind die ersten Burschen – unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bei uns eingezogen. In diesem Jahr hat sich vieles getan. Am Anfang waren die Deutschkurse mit unseren freiwilligen Deutschlehrern und Lehrerinnen der große Hit. Im Frühjahr begannen dann aber die offiziellen VHS-Kurse und die Teilnahme an unseren Kursen nahm immer mehr ab, sodass wir sie im Sommer einstellten.

Jetzt besuchen die meisten das sogenannte Jugend-College, das sind Kurse der Stadt Wien mit Deutsch, Englisch, Mathematik und anderen Gegenständen, nach deren positivem Ende sie sich auf den Hauptschulabschluss vorbereiten können. Wir haben aber auch schon ein paar in der Regelschule. Wir unterstützen jetzt diejenigen, die mit der Bitte um Nachhilfe  an uns herangetreten sind. Eigeninitiatives Lernen ist den Betreuern und Betreuerinnen der Caritas und uns ein großes Anliegen. 

Als die Burschen vor einem Jahr zu uns kamen, fehlte es an allen Ecken und Enden – Sprache, Kleidung und Gesundheit waren vorrangig, Jetzt sind sie gut versorgt und haben sich gut bei uns eingelebt. Damit steigen manchmal auch die Ansprüche z.B. Wünsche nach Marken-Kleidung. In Absprache mit den Betreuern und Betreuerinnen unterstützen wir aber derartige Wünsche nicht, Alle bekommen Taschengeld und wenn sie Sonderwünsche haben, müssen sie auch dafür sparen, sich das Geld einteilen und eventuell auf anderes verzichten. Sie lernen den Umgang mit Geld und dass es nicht reicht, Wünsche einfach nur zu äußern.

Was wir natürlich auch weiterhin finanziell unterstützen, sind z.B. gesundheitliche Notwendigkeiten. Viele haben Zahnprobleme: von einfachen Plomben über Zahnabsplitterungen, Wurzelbehandlungen bis zur Extraktion. Bei Zahnlücken brauchen sie Zahnersatz, sonst verändert sich das Kiefer. Und nicht einmal die billigste Brücke wird von der Krankenkasse übernommen. Da finanzieren wir selbstverständlich den Selbstbehalt.

Der zweite Bereich, den wir gezielt fördern, sind sportliche Aktivitäten. Wir sind mit den Betreuern und Betreuerinnen der Meinung, dass sich die Burschen auch körperlich betätigen sollen. Daher übernehmen wir z.B. Vereinskosten, Sportbekleidung, Schuhe usw. Allerdings muss jeder auch einen kleinen Selbstbehalt mittragen.

Ein Problem mit dem die Betreuer und Betreuerinnen in den letzten Monaten konfrontiert wurden, ist Aggression. Wir bekommen davon nichts direkt mit: Uns gegenüber sind die Burschen ohne Ausnahme höflich und zuvorkommend – unabhängig davon ob sie mit Männern, Frauen oder jungen Frauen unserer Pfarrjugend zu tun haben. Es ist uns kein einziger diesbezüglicher Fall bekannt Anders ist es untereinander: da herrscht öfter das Recht des Stärkeren oder das Recht des Älteren . Die Betreuung machte ihnen von Anfang an klar, dass es bei uns andere Spielregeln gibt und dass bestimmte Verhaltenseisen nicht akzeptabel sind, Trotzdem halten sich manche  trotz Gesprächen, Warnungen und Mahnungen nicht daran, sodass als ultima ratio nur der Ausschluss aus der WG bleibt – auch zum Schutz der anderen und der Betreuer und Betreuerinnen, Das ist leider passiert und auf die freigewordenen Plätze kommen andere Burschen – keine leichte Situation, die Gruppendynamik ist seit Sommer dauernd in Bewegung. 

Unsrer Meinung hängt dies auch mit der äußerst unbefriedigenden und intransparenten Situation der behördlichen Abläufe bei den Asylverfahren und mit den oft schrecklichen Meldungen aus den Heimatländern zusammen, dennoch halten wir es wichtig, im Hinblick auf eine erfolgreiche Integration auf die Einhaltung von Werten und  und deren Verständnis zu bestehen.

Abschließend noch ein wirklich positives Beispiel: Einer der Burschen hat uns jüngst verlassen – weil er sich so gut entwickeln konnte. Als Bäckerlehrling hat er die Probezeit erfolgreich absolviert und kann bei der Firma Ströck seine Lehre fortsetzen, Da die Bäckerei aber im 22. Bezirk liegt, hat ihm die Caritas in der Nähe eine kleine Wohnung zur  Verfügung gestellt, damit er frühmorgens (Arbeitsbeginn ist 4 Uhr, wenn noch keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren) diese zu Fuß erreichen kann. Wir freuen uns sehr mit ihm.

Allen Unterstützern danken wir für Ihre Mithilfe und wünschen ein gesegnetes und friedliches Weihnachtsfest.

Das NILAS Koordinationsteam der Pfarre